Adorno-Zyklus I

Prolog

What we love

Acryl auf Leinwand

60x60 cm

2025

What we do

Acryl auf Leiwand

60x60 cm

2025

What we get

Acryl auf Leinwand

60x60 cm

2025


Diptychon Schönheit

 All Inclusive

 

Appropriation: Die Geburt der Venus  (Botticelli)

Öl auf Leinwand

140 x 120 cm

2026

 

 

Botticellis Venus steht in einem rostigen Ölfass vor tropischer Strandkulisse. Türkisfarbenes Meer, Palmen und Postkarten-himmel versprechen Urlaubsidylle, doch der Vordergrund ist von Plastikmüll überzogen. Die Venus, Sinnbild für Schönheit und Geburt, wird zur Ikone im Ölbad – halb Göttin, halb Opfer unseres fossilen Lebensstils. Der Titel „All Inclusive“ spielt die Sprache der Tourismusindustrie gegen sich selbst aus: Im Preis inbegriffen sind auch Öl, Müll und zerstörte Strände. Malerische Verführung und ökologische Anklage greifen ineinander; das Bild zeigt, wie sehr wir an den Traum vom Paradies festhalten, obwohl dessen materielle Grundlagen längst vergiftet sind.

Insence

 

Appropriation: Die Sixtinische Madonna (Raphael)

Öl auf Leinwand

140 x 120 cm

2026

 

 

Die Sixtinische Madonna mit Jesuskind schwebt in prächtigen Gewändern inmitten graubrauner Wolken – doch die Wolken steigen aus den Schornsteinen eines Kraftwerks. Der Titel „Insence“ spielt auf Weihrauch und „insane“ an: Unsere zeitgenössischen „Räucheropfer“ bestehen aus Abgasen und Emissionen. Die heilige Figur erscheint als Trostbild, das gerade aus den zerstörerischen Produktionsverhältnissen hervorgeht, vor denen es schützen soll. Das Werk stellt damit Religion, Ideologie und Konsumversprechen gleichermaßen infrage und zeigt, wie Heilsbilder zur kosmetischen Hülle einer fossil betriebenen Welt werden.

 

 



Triptychon Dürre

Let me! 

 

Appropriation: Der Sämann

(Vincent Van Gogh)

 

Öl auf Leinwand

140 x 120 cm

2025/26

 

Van Goghs Sämann schreitet über einen ausgetrockneten Acker,  doch über ihm lodert ein Feuerhimmel, die Leinwand ist an mehreren Stellen verbrannt und geöffnet. Rote und schwarze „Wunden“ fressen sich in Berg und Himmel, als sei die Welt bereits verkohlt. „Let me!“ klingt wie ein letztes Flehen: Noch einmal säen, als gäbe es eine Zukunft. Das Bild konfrontiert den klassischen Symbolträger von Hoffnung und Naturverbundenheit mit einer Landschaft, deren Bedingungen unwiderruflich zerstört sind. Malerische Energie und reale Beschädigung des Trägers verschränken sich zu einer eindringlichen Metapher für die Ohnmacht individueller Anstrengung im Angesicht der Klimakatastrophe.

The German Forest

 

Appropriation: Die roten Rehe

(Franz Marc)

 

Öl auf Leinwand

140 x 160 cm

2025/26

 

Zwei rote Rehe nach Franz Marc stehen in einem Wald, der nur noch aus bleichen Stammgerippen besteht. Der Boden wirkt trocken, die Vegetation reduziert, im Hintergrund staffeln sich blaue Hügel. Der traditionsreiche Mythos vom „deutschen Wald“ erscheint hier als entkernte Hülle. Marcs Tiere, einst Symbol einer utopischen Einheit von Tier und Natur, sind zu letzten Restfiguren geworden, ohne Schutz und Deckung. Die kräftige Farbigkeit der Rehe kollidiert mit der Trostlosigkeit ihrer Umgebung. Das Bild zeigt, wie ein kulturell überhöhtes Naturbild im Zeitalter der Klimakrise kippt – vom Sehnsuchtsort zum Zeugnis struktureller Zerstörung.

See - it works !

 

Appropriation: Die Spaziergängerin

(Claude Monet)

 

Öl auf Leinwand

140 x 120 cm

2025/26

 

Eine  Spaziergängerin von Monet mit Sonnenschirm steht vor einer Wand aus Feuerfarben. Die Leinwand ist verbrannt, schwarze Untergründe brechen hervor. Der Sonnenschirm, Symbol bürgerlicher Schutzgesten, wirkt angesichts der brennenden Umgebung absurd. „See – it works!“ liest sich wie ein zynischer Kommentar zu technokratischen Beruhigungsformeln: Was „funktioniert“, ist nur die Katastrophe selbst. Das Bild verwandelt die impressionistische Idylle in eine Bühne der Verdrängung. Die malerische Schönheit bleibt, aber sie deckt eine existentielle Gefährdung zu – und macht so sichtbar, wie sehr auch unsere eigenen Schutzrituale Teil des Problems sind.




Triptychon Fluten

All According to  Plan

 

Appropriation: Napoleon

überquert die Alpen (J.L. David)

Öl auf Leinwand, 

140 x 120 cm

2026

Die zentrale Figur entstammt Jacques-Louis 
Davids berühmtem Gemälde „Napoleon 
überquert die Alpen“, in dem der siegreiche 
Feldherr auf einem steigenden Pferd 
heroisch den Bergpass bezwingt. In dieser 
Version reitet Napoleon jedoch nicht durch 
felsiges Hochgebirge, sondern direkt in 
eine überwältigende Wasserwand hinein. 
Die Geste bleibt dieselbe: erhobener Körper, 
roter Mantel, der Gestus unerschütterlicher 
Kontrolle. Doch die Bühne hat sich radikal 
verändert – aus dem triumphalen Alpen-
überstieg ist ein Ritt in die Klimakatastrophe 
geworden.  

Der Titel „All According to Plan“ legt eine 
beißende Ironie frei. Er klingt wie die 
Beruhigungsformel politischer und öko-
nomischer Entscheidungsträger, die auch 
angesichts eskalierender Krisen behaupten, 
alles verlaufe nach Plan. Die Aneignung 
des napoleonischen Herrschaftsbildes 
verschiebt dieses Pathos in die Gegenwart: 
Der historische Mythos des souveränen, 
naturbeherrschenden Führers wird zum 
Bild einer Macht, die ihre Ohnmacht nicht 
wahrhaben will. Zwischen Davids heroischer 
Ikone und der tosenden Welle entsteht ein 
Spalt, in dem sichtbar wird, dass genau 
diese Form von „Planung“ und Fortschritts-
glauben zur Katastrophe geführt hat – und 
dennoch weitergeritten wird.

Don't Worry - He's Thinking

 

Appropriation: Der Denker

(Auguste Rodin)

Öl auf Leinwand, zwei hinterlegte Cut-outs.

140 x 120 cm

2025/26

 Der ikonische Denker sitzt nicht mehr auf 
seinem sicheren Steinpodest, sondern auf
der letzten schmelzenden Eisscholle inmitten 
eines Gebirgssees. Während die Wasser oberfläche in kühlen Blau- und Türkistönen flimmert, glüht der Körper der Figur in unnatürlichem Orange – als wäre das Denken selbst überhitzt. Die alpine Kulisse, traditionell Projektionsfläche für Erhabenheit und Unberührtheit, zeigt Risse: Aufgeschlitzte Bergflanken geben collagierte Schichten frei, die an Fleischerinnern. Landschaft erscheint hier als verletzte Haut und gleichzeitig als dünne Oberfläche.

Der sarkastische Titel „Don’t Worry, He’s 
Thinking“ kommentiert die Untätigkeit 
angesichts der ökologischen Katastrophe. 
Denken, das sich selbst genügt, wird zur 
Beruhigungsgeste: Man „macht sich 
Gedanken“, während Eis, Berge und 
Körper bereits in Auflösung begriffen sind. 
Das Werk verschränkt Kunstzitat, Klimakrise 
und Bildkritik: Es zeigt eine Welt, in der die 
großen Gesten des Nachdenkens zu spät 
kommen – und in der die Natur nur noch 
die dünne, reißbare Oberfläche eines 
überhitzten Systems ist.

75 Meters later

 

Appropriation: Das Floß der Medusa

(Fréderic Géricault) und Die Felsen von Étretat (Eduard Monet)

Öl auf Leinwand,

140 x 120 cm            2026

 Der Titel „75 Meter später“ verweist auf 
eine konkrete Klimaprognose: Schmilzt das 
Eis des Südpols vollständig, steigt der 
Meeresspiegel weltweit um rund 75 Meter – 
genug, um auch die ikonischen Klippen von 
Étretat zu fluten. In diesem Bild treffen 
zwei kunsthistorische Appropriationen 
aufeinander: Die leuchtende Felsformation 
erinnert an Monets Étretat-Ansichten, in 
denen das Meer zum Ort des Lichts, der 
Atmosphäre, des malerischen Experiments 
wird. Gleichzeitig drängt sich im Vorder-
grund das Floß aus Géricaults „Floß der 
Medusa“ ins Bild – Sinnbild des kollektiven 
Schiffbruchs, der staatlichen Ignoranz und 
des nackten Überlebenskampfs.

Zwischen Monet und Géricault entsteht ein 
Spannungsfeld: Die romantisch-impressio-
nistische Küstenidylle wird von einer 
überwältigenden Welle und einem 
überfüllten Floß besetzt, das nicht zur 
pittoresken Kulisse passt. Die Erhabenheit 
der Natur schlägt in Bedrohung um, und die 
historische Katastrophe wird in unsere 
Gegenwart verlängert – zu einer Zeit, in 
der menschengemachte Klimaveränderung 
Millionen Menschen ins Wasser treibt. 
„75 Meter später“ zeigt Étretat als 
Zukunftsfragment: ein noch sichtbarer, 
aber bereits verhandelter Ort, an dem 
Kunstgeschichte, Tourismusbild und reale 
Katastrophe in einem einzigen Wellensturm 
aufeinanderprallen.



Diptychon Ignoranz

No Way - Not Us!

 

Appropriation: Das Frühstück im Grünen (Eduard Manet)

 

Öl auf Leinwand,

Denkblasen montiert,

140 x 120 cm

2025

 Manets Picknickgesellschaft sitzt im sonnigen Wald, vertieft in eine banale Konversation, die als Denkblase eingeblendet ist. Hinter ihnen frisst sich eine gewaltige Mure aus Wasser und Schlamm durch den Forst, reißt Stühle, Zäune und Pflanzen mit. Die Figuren reagieren nicht; der Satz „No way – not us!“ umschreibt ihre Haltung. Das Bild zeigt die Kluft zwischen bürgerlicher Komfortzone und realer Bedrohung. Gleichzeitig unterlaufen die Denkblasen den Rest von „Hochkunst“-Pathos: Die postautonome, dekorative Appropriation wird durch alltägliche Sprache entblößt. Klimakatastrophe und Kunstbetrieb erscheinen als zwei Ebenen derselben Verdrängungsbewegung.

Caribbean Dreams

 

Appropriation: Bist du eifersüchtig?

(Paul Gauguin)

 

Öl auf Leinwand, Sprechblasen

montiert

140 x 120 cm

2025

 Gauguins  Insulanerinnen ruhen in einer tropischen Landschaft, während hinter ihnen aus einem großen Rohr trübe Flüssigkeit in den Fluss stürzt. Die Farben bleiben verführerisch, die Posen entspannt, doch der Eingriff ist unübersehbar. Sprechblasen in Kreol kreisen um banale Fragen und unterlaufen jede heroische oder exotisierende Lesart. „Caribbean Dreams“ spiegelt touristische und koloniale Projektionen: Der Traum von der unberührten Südsee steht einer Umwelt gegenüber, die bereits massiv vergiftet ist. Das Bild zeigt, wie Bilder von Paradies und Einfachheit weiter zirkulieren, obwohl die Regionen, die sie darstellen, zu den Hauptleidtragenden der globalen Krise gehören.



Epilog


That's it !

Appropriation: Der Wanderer über dem Wolkenmeer 

( Caspar David Friedrich )

Öl auf Leinwand

140 x 120 cm

2025

 

Caspar David Friedrichs Wanderer steht auf einem rötlichen Felsen, doch statt auf ein Nebelmeer blickt er ins All. Vor ihm schwebt ein verletzter Planet, der noch als Erde erkennbar ist, aber von Brand- und Narbenzonen gezeichnet. Der restliche Bildraum ist tiefes Schwarz. Zu seinen Füßen steht ein kleiner roter Feuerlöscher – hilflos angesichts der kosmischen Dimension der Krise. „That’s it!“ wirkt wie ein bitteres Fazit: Kein romantischer Rückzug in die Natur, kein technischer Ausweg, nur die späte Einsicht in das Ausmaß der Zerstörung. Das Bild schließt den Zyklus mit einer konzentrierten, lakonischen Diagnose von Ohnmacht und Endpunkt.