Adorno-Zyklus II
Der zweite Zyklus beschäftigt sich mit der Frage, was uns Menschheit dazu bringt, die eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören. Der Zyklus befindet sich im Aufbau - hier die ersten Werke.
Painforest
Öl auf ge- und entfaltete Leinwand,
montiert auf hellgrünen Bildgrund
150 x 135 cm
2026
„Painforest“ inszeniert den Regenwald als Körper, der von innen heraus brennt. Die leuchtend roten Bahnen sind keine äußeren Brandrodungsspuren, sondern wirken wie freigelegte Adern, in denen Feuer statt Blut zirkuliert. Die Faltungen der Leinwand öffnen Spalten und Brüche, aus denen diese innere Glut an die Oberfläche drängt – der Bildträger scheint sich unter seinem eigenen Schmerz zu verformen.
Gleichzeitig behauptet das üppige Grün eine trügerische Vitalität: Der Wald wirkt noch dicht und lebendig, doch die zerstörerische Energie ist bereits eingeschrieben.
„Painforest“ verbindet so ökologische Bedrohung mit einem psychischen Bild: Der beschädigte Planet erscheint als Organismus, der seine Verletzungen nicht mehr verbergen kann. Die Malerei macht sichtbar, dass die Katastrophe nicht erst von außen kommt, sondern aus unserem Inneren: aus Begehren nach immer mehr Fleischkonsum und damit verbunden nach immer mehr Weideland. Der Regenwald brennt hier nicht nur im Bild, sondern als Spiegel für eine Zivilisation, die sich selbst entzündet.
Diptychon Hunger
Mure Nostrum
Appropriation:
Sertigpfad im Sommer (Ernst Ludwig Kirchner)
Öl auf Leinwand,
ein Cut out, heraushängende Rückseite mit Acryl bemalt.
150 x 100 cm
2026
In einer Berglandschaft von Kirchner wälzt sich eine graue Mure durchs Tal. Ein großer Ausschnitt der Leinwand gibt den schwarzen Keilrahmen frei; darunter erscheint eine zweite Malerei mit Schornstein und Rauch – die verborgene Energieinfrastruktur. „Mure Nostrum“ macht Ursache und Wirkung sichtbar: Oben das expressionistische Hochgebirgsbild, unten die industriellen Prozesse, die die Katastrophe hervorbringen. Die schwarze Fläche steht für den blinden Fleck zwischen beiden Ebenen. Die Arbeit verbindet Landschaftsmalerei, Objektcharakter und politisches Bilddenken zu einer präzisen Allegorie auf eine gemeinsame, hausgemachte Zerstörung.
Last Rites
Appropriation: Improvisation (Wassili Kandinsky)
Öl auf Leinwand, ein Cut out, heraushängende Rückseite mit Acryl bemalt.
130 x 100 cm
2026
Die obere Fläche zitiert Kandinskys abstraktes Farbtonsehen als vibrierende, vielfältige Landschaft aus Linien und Flächen. Ein großer Einschnitt legt den schwarzen Bildträger frei; darunter hängt ein zweites Bild: ein streng gleichförmiges Raster aus Palmöl-Pflanzen. „Last Rites“ inszeniert die Überführung biologischer und ästhetischer Vielfalt in industrielle Monokultur. Was als freies Spiel der Farben begann, wird von der Logik der Plantage verschlungen. Der Titel deutet auf eine letzte Handlung am Sterbebett hin – hier für Ökosystem und autonome Kunst zugleich. Das Werk verbindet ökologische Kritik und kunsthistorische Reflexion in einer einzigen materiellen Geste.
